18.04.2017

MCC diskutiert wissenschaftliche Politikberatung

Experten-Workshop am MCC: Hochrangige Wissenschaftler und Politiker diskutieren die aktuellen Herausforderungen sozialwissenschaftlicher Politikberatung in Europa.

Foto: Shutterstock / Matej Kastelic

Wie können die Sozialwissenschaften in Europa besser dazu beitragen, gesellschaftliche Probleme zu lösen? Das ist die zentrale Frage des Workshops „Principles and guidelines for social science advice to policy” am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). Die Veranstaltung wird gemeinsam vom MCC, dem International Network for Government Science Advice (INGSA) und der Stiftung Mercator ausgerichtet. Zu dem Expertentreffen am 25. April haben sich knapp 30 Teilnehmer aus Wissenschaft und Politik aus ganz Europa angekündigt.

Grundlage der Diskussion sind die neuen Leitlinien der INGSA, die von James Wildson, INGSA-Mitglied und Professor an der University of Sussex, vorgestellt werden. Diese zielen darauf ab, den Nutzen wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Politik zu verbessern – ohne dabei für bestimmte Verfahren oder politische Lösungen Partei zu ergreifen. Einleitend werden Wolfgang Rohe, Geschäftsführer und Leiter des Ressorts Wissenschaft der Stiftung Mercator, sowie Martin Kowarsch, Leiter der Arbeitsgruppe Wissenschaftliche Assessments, Ethik und Politik am MCC, jeweils einen kurzen Kommentar zum Verhältnis von Sozialwissenschaften und Politik abgeben.

Kowarsch verweist auf die Bedeutung wissenschaftlicher Assessmentprozesse, die sowohl unterschiedliche Lösungswege als auch deren diverse praktische Konsequenzen für die Gesellschaft analysieren können: „Speziell die europäische Energie- und Klimapolitik hat fundamentale und langfristige Auswirkungen auf die Gesellschaft, die sorgfältig mitbedacht werden müssen“. Beispielsweise könne eine EU-Politik mit einem großen Bio-Energie-Anteil Auswirkungen auf Nahrungsmittelpreise, Entwaldung und Bodenrenten weit über Europa hinaus haben. Zugleich könnte eine effektive CO2-Bepreisung als Nebeneffekt einer effizienteren Wirtschaft und der Luftqualität zugutekommen. Die Wertbeladenheit wissenschaftlicher Studien zu dem Thema und die Literaturexplosion machen solche Assessments laut Kowarsch schwierig.

Ziel des nichtöffentlichen Workshops ist es, die aktuellen Möglichkeiten und Herausforderungen sozialwissenschaftlicher Politikberatung in Europa auszuloten und zu ergründen, welche Praktiken sich als effektiv erwiesen haben. Es soll dabei auch erörtert werden, wie die INGSA-Leitlinien verfeinert werden können, um diesen Herausforderungen besser zu begegnen. Der Workshop besteht aus drei Teilen, in deren Zentrum jeweils eine offene Diskussion der Teilnehmer steht. Abschließend soll ein gemeinsamer Bericht der Workshop-Organisatoren verfasst werden, der die wesentlichen Ergebnisse für kommende Diskussionen festhält.