Wie China und Deutschland beim Klimaschutz kooperieren können

Auf einer vom MCC mitorganisierten Konferenz am Freitag in Berlin wurde diskutiert, wie Deutschland und China noch stärker voneinander lernen können.

Foto: MERICS / Marco Urban

04.07.2017

Nach dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen liegt es nun an anderen Staaten, noch entschiedener beim Klimaschutz voranzugehen. Die Kooperation zwischen Deutschland und China spielt dabei eine Schlüsselrolle. Zu diesem Thema lud das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) zusammen mit dem Mercator Institute for China Studies (MERICS) und der European Climate Foundation (ECF) am Freitag zu einem Diskussionsforum in Berlin ein. Die Veranstaltung mit dem Titel „Joining forces in global climate policy: New perspectives for Chinese-German cooperation“ wurde in Zusammenarbeit mit Chinas National Center for Climate Change Strategy and International Cooperation (NCSC) organisiert.

Wie die Fachkonferenz zeigte, bieten sich Möglichkeiten der bilateralen Kooperation vor allem beim Thema Emissionshandel. In Europa gibt es mit dem EU-ETS, unter das auch Deutschland fällt, bereits seit zwölf Jahren ein Handelssystem für CO2-Zertifikate. China plant noch in diesem Jahr, ein eigenes System – das dann größte der Welt – an den Start zu bringen. Auch die Themen Green Finance, also wie mit Finanzprodukten Anreize für CO2-arme Investitionen geschaffen werden können, sowie klimafreundliche Stadtplanung waren auf der Tagesordnung.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung wurde Tian Chengchuan, Leiter des Referats für Strategische Planung der chinesischen Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), sehr konkret: Tian schlug vor, den Austausch von Forschern zwischen China und Deutschland stärker voranzutreiben. Er betonte zudem, dass China sehr aktiv sei beim Thema Süd-Süd-Partnerschaft, also der gegenseitigen Unterstützung und Hilfe zwischen Entwicklungs- und Schwellenländern. Gerade in Afrika plane das Land den Aufbau vieler neuer Pilotprojekte – hier sollten Deutschland und China nach Tians Meinung kooperieren.

Sebastian Heilmann (links), Präsident von MERICS, mit MCC-Direktor Ottmar Edenhofer. (Foto: MERICS / Marco Urban)

Vor dem Start der Podiumsdiskussionen machte MCC-Direktor Ottmar Edenhofer in seinem Vortrag darauf aufmerksam, dass die zweite große Herausforderung neben dem Klimawandel in der Unterversorgung vieler Staaten mit elementarer Infrastruktur wie dem Zugang zu Wasser, Elektrizität und Transport liege. Diese beiden Herausforderungen müssten zusammen angegangen werden. Eine CO2-Bepreisung sei dabei ein entscheidendes Instrument, da sie einerseits Emissionen teurer macht und Anreize für klimafreundliche Investitionen liefert und andererseits Einnahmen generiert für die Finanzierung von Infrastruktur. „Es ist von enormer Bedeutung, dass China jetzt ein landesweites Emissionshandelssystem einführt. Ich hoffe, China und Europa können Erkenntnisse zu bewährten Lösungen miteinander austauschen“, sagte Edenhofer.

Bei der Diskussion zum Thema „Green Finance“ wurde deutlich, dass es bisher an einer gemeinsamen Definition des Begriffs „green“ fehlt. Hier liegen die Ansichten von Europäern und Chinesen auseinander. So werden in China beispielsweise Kohlekraftwerke, die mit bestimmten Filteranlagen ausgestattet und besonders effizient sind, als „green“ betrachtet. Und in Klimadebatten werden solche Kraftwerke oft als „clean coal“ bezeichnet, obwohl sie dem Klima weiterhin erheblich schaden. “Wir müssen eine gemeinsame Sprache für Investoren entwickeln, um Glaubwürdigkeit zu schaffen und verständlich zu machen, was in einem ‚Green Investment‘-Paket eigentlich drinsteckt“, sagte Gerrit Hansen von der Umweltorganisation Germanwatch.

MCC-Generalsekretärin Brigitte Knopf (links) und Sabine Fuss (Mitte), Leiterin der MCC-Arbeitsgruppe Nachhaltiges Ressourcenmanagement und globaler Wandel, beim Podium zum Emissionshandel. (Foto: MERICS / Marco Urban)

Das Panel zum Thema Emissionshandel wurde von MCC-Generalsekretärin Brigitte Knopf geleitet. Jiang Kejun, Direktor des chinesischen Energy Research Institute (ERI), versicherte, das geplante Handelssystem in China solle im letzten Quartal dieses Jahres eingeführt werden. Es umfasse voraussichtlich zunächst nur vier statt acht Sektoren – welche das sind und ob zum Beispiel auch der Stahlsektor dazu gehört, darüber war sich die chinesische Seite noch nicht vollends einig. Andreas Löschel von der Universität Münster zeigte sich zudem skeptisch, ob sich die Emissionshandelssysteme in Europa und China bereits zu einem gemeinsamen Markt verbinden ließen. Man könne zunächst versuchen, einzelne Sektoren zu verbinden. Beim Emissionshandel gehe es nach Ansicht der Diskussionsteilnehmer in der Anfangsphase aber vor allem um Erfahrungsaustausch. Auch in China gibt es bereits zahlreiche Pilotprojekte.

Voneinander lernen können Deutschland und China auch beim Thema klimafreundliche Städte. Darum ging es bei der letzten Sitzung des Tages. Einiges abgucken könne sich Deutschland beispielweise beim Bikesharing, was in China überaus erfolgreich ist. Allein in Peking gibt es zehn Millionen Bikesharing-Kunden, betonte Christian Hochfeld von der Agora Verkehrswende. Auf der anderen Seite könnten deutsche Kleinstädte mit ihren kurzen Wegen und ihrer Anordnung von Wohn- und Geschäftsgebieten ein Vorbild für China sein, sagte Sandra Retzer von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

 

Weitere Informationen:

Hier geht's zur Website des Mercator Institute for China Studies (MERICS).

Erfahren Sie hier mehr über die Agora Verkehrswende.

Die Folien zum Vortrag von Ottmar Edenhofer können Sie hier herunterladen.