Inhalt

> Das Problem: Übernutzung und mangelnde Bereitstellung globaler Gemeinschaftsgüter

> Die Herausforderung: Schutz und Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter

> Unser Beitrag: Wissen, das Lösungen ermöglicht und Debatten anregt

Das Problem: Übernutzung und mangelnde Verfügbarkeit globaler Gemeinschaftsgüter

Wir definieren globale Gemeinschaftsgüter als natürliche Ressourcen wie Atmosphäre, Land und Wälder, die weltweite Zusammenarbeit für ihre nachhaltige Nutzung und Bereitstellung benötigen. Das globale Wirtschaftswachstum hat jedoch zu ihrer Übernutzung geführt: Die Atmosphäre wird als Deponieraum für Treibhausgase übernutzt (mit dem Klimawandel als Folge), die global steigende Nachfrage nach Agrarprodukten und die Zersiedelung erhöhen die Belastung von Landflächen und führen zu steigenden Nahrungsmittelpreisen sowie zur Zerstörung von Regenwäldern.

Parallel hierzu lässt sich eine mangelnde Verfügbarkeit von sogenannten sozialen Gemeinschaftsgütern feststellen: Dies sind öffentliche Güter, die Zugang bieten zu Gesundheitsversorgung, Bildung, sauberem Wasser, sanitären Anlagen, Energie oder Verkehrs- und Kommunikationsinfrastrukturen. Diese Güter sind für das menschliche Wohlergehen unentbehrlich, da sich der Grad der Versorgung erheblich auf Wachstum und Ungleichheit auswirkt. Wir beziehen diese Güter daher in unser Verständnis der globalen Gemeinschaftsgüter sowie unsere Forschung mit ein (siehe Abbildung). Die Rolle von Städten und ihrer Infrastruktur stellt konsequenterweise einen weiteren Forschungsschwerpunkt des MCC dar.

Abbildung 1: Die MCC-Definition von globalen Gemeinschaftsgütern (Quelle: MCC)

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Die Herausforderung: Schutz und Verfügbarkeit globaler Gemeinschaftsgüter

Bei der Nutzung und Bereitstellung globaler Gemeinschaftsgüter stehen wir im 21. Jahrhundert vor einer doppelten Herausforderung: Erstens ist eine Übernutzung konsequent zu vermeiden, wo noch keine wirksamen Steuerungsmechanismen den Zugang und die Nutzung regulieren. Zweitens ist die Unterversorgung mit öffentlichen Gütern zu überwinden, die für das menschliche Wohlergehen unerlässlich sind (wie bestimmte Infrastruktur).

Um den weltweiten Wohlstand und das menschliche Wohlergehen weiterhin sicherzustellen, braucht es technologische, soziale und politische Veränderungen, die die globalen Gemeinschaftsgüter nachhaltig schützen und verfügbar machen. Es gibt drei Aspekte, die das grundsätzlich erschweren:

  • Erstens: Globale Gemeinschaftsgüter befinden sich entweder außerhalb nationaler Gerichtsbarkeiten oder ihre Bewahrung und nachhaltige Nutzung steht im Widerspruch zu nationaler Souveränität und nationalen Bestimmungen. Ihre Nutzung kann verschiedene Ebenen politischer Regulierung unterschiedlich betreffen und erfordert oft weltweite Kooperation.
  • Zweitens: Globale Gemeinschaftsgüter beeinflussen sich gegenseitig, was bedeutet, dass sich das Management eines Gemeinschaftsguts höchstwahrscheinlich auch auf die Nutzung anderer Gemeinschaftsgüter auswirkt. Eine effektive politische Steuerung ist folglich eine komplexe Aufgabe.
  • Drittens: Die Umsetzung von Maßnahmen zum politischen Management globaler Gemeinschaftsgüter wird in erheblichem Maße mit bereits bestehenden Mustern der Ressourcennutzung, Hoheitsrechten und damit verbundenen etablierten Interessen kollidieren.

Das Management von Biodiversität, Klimawandel und anderen Ökosystemleistungen brauche globale Institutionen, sagte Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom. Um sich der Herausforderung zu stellen, sei weitere Forschung über politische Steuerung globaler Gemeinschaftsgüter nötig. Einen großen Beitrag zum Verständnis des Managements lokaler Gemeinschaftsgüter haben Ostrom und andere bereits geleistet. Nun geht es darum, auch Antworten für das Management globaler Gemeinschaftsgüter zu finden.

Das MCC berücksichtigt alle Aspekte dieses vielschichtigen und komplexen Problemgefüges gleichzeitig und befasst sich dabei mit der Bewertung von Konflikten, dem Aufzeigen von Synergien und der Analyse von Verteilungsaspekten.

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Unser Beitrag: Wissen, das Lösungen ermöglicht und Debatten anregt

Wir betreiben unsere Forschung in sieben Arbeitsgruppen und einer Task-Force. Die Leiter der Forschungsgruppen haben unterschiedliche disziplinäre Hintergründe, was einen interdisziplinären Forschungsansatz ermöglicht:

Wir möchten die wissenschaftliche Basis für die Lösung von Problemen mit globalen Gemeinschaftsgütern bereitstellen sowie die intellektuelle Debatte anregen und aktiv an ihr teilnehmen, etwa durch Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und wichtigen Medien. Die Forschung des MCC wird von drei zentralen Fragen geleitet. Diese befassen sich mit den Zusammenhängen und Prozessen bezüglich globaler Gemeinschaftsgüter, den Möglichkeiten ihrer politischen Steuerung und der Gestaltung der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik. Vor diesem Hintergrund bewertet das MCC unterschiedliche Eigentumsrechte und Politikinstrumente hinsichtlich des Managements globaler Gemeinschaftsgüter.

1.    Welche Prozesse sind für die Dynamiken verantwortlich, die der Bereitstellung und Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter zugrunde liegen?

Wir bewerten, inwiefern Naturgüter (wie Atmosphäre, Land und Wälder) und soziale Güter (wie öffentliche Infrastruktur) Eigenschaften aufweisen, die ein entsprechendes Management als globale Gemeinschaftsgüter erfordern. Dies beinhaltet die Bewertung verschiedener Eigentumsrechte und Politikinstrumente. Ein Beispiel ist die Frage, ob Regenwälder den Charakter eines globalen Gemeinschaftsguts haben, obwohl sie sich innerhalb des Hoheitsbereichs souveräner Staaten befinden. Ihr Potenzial als globales Gemeinschaftsgut liegt beispielsweise darin begründet, dass sie einen potenziell unerschlossenen Vorrat an genetischen Ressourcen bereithalten, der in Zukunft für die Medizin von großer Bedeutung sein kann.

Ein anderer Aspekt ist die Funktion der Wälder als wichtige Senke für Treibhausgase. Forschungsergebnissen des MCC zufolge muss ein Großteil der weltweiten Kohlereserven und -ressourcen unter der Erde bleiben, wenn wir das Ziel, die Erderwärmung auf 2° C zu begrenzen, erreichen wollen (siehe Abbildung 2). Dies wirkt sich in hohem Maße auf Verteilungsaspekte innerhalb und zwischen Gesellschaften aus.

Abbildung 2: Die zentrale Herausforderung der Klimapolitik: Im Boden sind immer noch große Mengen fossiler Rohstoffe vorhanden, der Deponieraum für CO2 in der Atmosphäre ist jedoch begrenzt (Quelle: MCC)

2.    Was sind die politischen Möglichkeiten zur Steuerung globaler Gemeinschaftsgüter? Wie kann ein fairer, gleichberechtigter und effizienter Zugang zu globalen Gemeinschaftsgütern erreicht werden?

Ein Beispiel: Das MCC hat im Rahmen einer Studie eine politische Option analysiert, die gleichzeitig die Übernutzung der Atmosphäre und Unterversorgung mit öffentlichen Gütern berücksichtigt. Das Ergebnis zeigt, dass in den meisten Ländern beide Probleme zusammen gelöst werden könnten – indem man mit den Einkünften aus einer CO2-Bepreisung den Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Anlagen und Elektrizität finanziert und gleichzeitig Klimaschutz unterstützt.

3.    Wie sollte die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik aussehen, um eine nachhaltige Steuerung globaler Gemeinschaftsgüter zu gewährleisten?

Das MCC analysiert systematisch bestehende Prozesse zur wissenschaftlichen Politikberatung und der Erstellung von Assessments (hinsichtlich Gestaltung, Format und Inhalt) und berät entsprechende Institutionen bei der Verbesserung. Das MCC hat beispielsweise in vielerlei Hinsicht wesentlich zur Debatte um eine Reform des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) beigetragen.

Lesen Sie mehr über unsere Arbeit im Abschnitt Politik-Dialog.

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