Gestaltung wissenschaftlicher Politikberatung

Leitung: Dr. Martin Kowarsch

Die Arbeitsgruppe Wissenschaftliche Assessments, Ethik und Politik (SEP) untersucht wissenschaftliche Assessments und weitere Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Politik und will deren Praxis und Design verbessern helfen. Unser Forschungsschwerpunkt liegt auf der angemessenen Behandlung von ethischen Aspekten und vielfältigen Interessen in integrierten, umweltbezogenen Politikassessments.

 

Teammitglieder

Markus Dressel (Fellow April 2017)

Jennifer Garard (Doktorandin)

Olan Thomas Harrington (Fellow 2016)

Larissa Koch (Forscherin)

Dr. Dominic Lenzi (Post-doc)

 

Hintergrund

Die Definition von komplexen Politikproblemen (z.B. Klimawandel) sowie die Identifizierung geeigneter Lösungsoptionen sind sowohl in wissenschaftlicher als auch normativ-ethischer Hinsicht meist umstritten in den (zumeist kurzfristig orientierten) politischen Diskursen. Häufig gelingt es daher wissenschaftlicher Beratung zu komplexen Politikproblemen nicht, wissenschaftliche Glaubwürdigkeit mit hoher Politikrelevanz und gesellschaftlich-politischer Legitimität zu vereinen. Fakten und Werturteile sind dabei stets eng miteinander verwoben; sie können nicht völlig getrennt werden voneinander (ein Beispiel sind die Wertannahmen in agro-ökonomischen Modellen zum Wassermanagement). Vor diesem Hintergrund braucht es wohlüberlegte Formate der Politikberatung in den besonders umstrittenen und komplexen, langfristigeren Politikfällen: großskalige, interdisziplinär-integrierte wissenschaftliche Assessmentprozesse.

Unserem "pragmatisch-aufgeklärten Politikberatungsmodell" zufolge sollten solche Assessments konkrete alternative Politikpfade und deren vielfältige Implikationen explorieren in iterativer Weise gemeinsam mit Stakeholdern (statt etwa Politikentscheidungen vorwegzunehmen). Assessments können so wertvolle und legitime Instrumente für den Lernprozess und Dialog zwischen Wissenschaft und Politik sein, weil sie u.a. die wechselseitige Abhängigkeit komplexer Politikprobleme (man denke z.B. an positive wie negative Wechselwirkungen zwischen einzelnen Sustainable Development Goals) sowie deren oftmals umstrittenen normative Dimensionen relativ gut und umfassend adressieren können. Dies kann deliberative und partizipative Politikprozesse befördern.

Um solche integrierten Assessments zu ermöglichen, braucht es allerdings u.a. auch hinreichend interdisziplinäre und hochgradig integrierte ethische Studien zu Politikaspekten (siehe Kowarsch und Edenhofer, 2016, Oxf Univ Press).

 

Forschungsansatz

Wir haben uns zum Ziel gesetzt systematische, hochqualitative theoretische und empirische Forschung über wissenschaftliche Assessments und andere Formate der Politikberatung zu betreiben. Diese soll sowohl kritisch (Evaluierung) als auch konstruktiv (Verbesserung von lösungsorientierten Politikassessments) sein, sowie interdisziplinär, u.a. mit philosophischen, empirisch-sozialwissenschaftlichen und politiktheoretischen Methoden. Für diese Forschung können wir auf wertvolle praktische Erfahrungen am MCC sowohl mit Assessmentprozessen als auch mit Einzelstudien zu Politikoptionen zurückgreifen.

 

Erfolge

SEP hat bereits verschiedene Politikberatungsformate begutachtet und beraten, so zum Beispiel die IPCC WGIII Assessments, UNEPs GEO-6 Assessment, IPBES Assessment Scoping Documents und den neuen EU Politikberatungsmechanismus.

Gegenwärtig ist unser Hauptprojekt die Forschungsinitiative gemeinsam mit UNEP zur Zukunft von globalen Umweltgutachten (FOGEAM, seit 2013). Ein Beispiel für die Forschung im FOGEAM-Projekt ist Jennifer Garards Analyse, wie und wie erfolgreich Stakeholder in gegenwärtigen globalen Umweltgutachten eingebunden sind.

 

Forschungsausblick

Dominic Lenzi et al. werden u.a. Forschung zu besonderen ethischen Aspekten und Eigentumsrechtsfragen des Managements natürlicher globaler Gemeinschaftsgüter durchführen, besonders hinsichtlich Wälder. Es wird diskutiert, wie diese äußerst politikrelevanten ethischen Aspekte in bestimmten Assessments angemessen behandelt werden sollten.

Unlängst wurde ein Projekt zu Stakeholder Engagement und dessen Evaluierung begonnen, koordiniert von Jennifer Garard. Wir untersuchen wie verschiedene Institute, Behördern und andere Organisationen Dialogplattformen und andere Politikberatungsformate mit Stakeholdern gestalten und analysieren Möglichkeiten der Auswertung dieser Formate sowie der wissenschaftlichen Politikberatung allgemein. Ein Hauptziel dieses Projekts ist die Identifizierung vielversprechender Designelemente für erfolgreiches Stakeholder Engagement sowie die Entwicklung von Ideen zur Verbesserung des Stakeholder Engagements durch das MCC in der Zukunft.

 

Frühere Teammitglieder (Forscher*innen)

Prof. Christian Flachsland (als Ko-Leiter der vorherigen Arbeitsgruppe 2012-2014)

Marcel Dorsch (als Doktorand)

Prof. Clare Heyward (als Gastwissenschaftlerin am MCC, September 2015)

Anna Leipprand (als Fellow)

Pauline Riousset (als Fellow, Mitarbeiterin im FOGEAM Projekt)

Christoph von Stechow (als Fellow)

Fabian Joas (als Fellow)

 

Aktuelle Publikationen der Arbeitsgruppe

Minx, J. C., Callaghan, M., Lamb, W. F., Garard, J., Edenhofer, O., 2017

Learning about climate change solutions in the IPCC and beyond

Environmental Science & Policy
Typ
Peer Review
Kowarsch, M., Jabbour, J., Flachsland, C., Kok, M.T.J., Watson, Sir R., Haas, P.M., Minx, J.C., Alcamo, J., Garard, J., Riousset, P., Pintér, L., Langford, C., Yamineva, Y., von Stechow, C., O’Reilly, J.; Edenhofer, O. , 2017

A road map for global environmental assessments

Nature Climate Change
Typ
Sonstige
Kowarsch, M., Flachsland, C., Garard, J., Jabbour, J., Riousset, P., 2017

The treatment of divergent viewpoints in global environmental assessments

Environmental Science & Policy
Typ
Arbeitspapiere