"Der Weltklimavertrag von Paris ist ein Durchbruch", sagt Ottmar Edenhofer, Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), mit Blick auf das Ergebnis der UN-Klimaverhandlungen in Paris. "Das Schicksal der Erde hängt jetzt davon ab, wie schnell und wie sehr wir auch die Politikinstrumente auf den Weg bringen, um das große Ziel zu erreichen, die globale Temperaturerhöhung und deren Risiken strikt zu begrenzen."

Edenhofer betont, die Übereinkunft von Paris erwähne als kurzfristige Einstiege CO2-Bepreisung und Emissionsmärkte. Die G20 sollten jetzt an den nächsten Schritten arbeiten, um CO2-Preise auf den Weg zu bringen. "Die internationale Klimafinanzierung und die Transferzahlungen stellen Mittel dar, um CO2-Preise zu harmonisieren. Wer jedoch weitere Kohlekraftwerke baut, vernagelt die Tür zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziels", analysiert er. "Wir müssen uns jetzt mehr als je zuvor anstrengen, die globale Renaissance der Kohle zu vermeiden – damit der Klimavertrag Realität wird und letztlich zu einer besseren Zukunft für uns alle führt."

Die Übereinkunft von Paris räumt ausdrücklich ein, dass die aktuellen freiwilligen Zusicherungen zur Emissionsreduktion der Staaten zu wachsenden globalen Emissionen bis 2030 führen. Das angestrebte Ziel des Klimavertrags, die Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen, ist jedoch nicht übereinstimmend mit diesen Zusicherungen, falls nicht starke Emissionssenkungen mit Raten von etwa sechs Prozent pro Jahr zwischen 2030 und 2050 verfolgt werden.

"Wir brauchen kurzfristige Einstiegspunkte für eine Klimapolitik, so dass die Emissionen weit vor 2030 ihren Höhepunkt überschreiten", sagt Edenhofer. "Die institutionellen Mechanismen für die Raten zur Emissionsreduktion aus der Übereinkunft von Paris sind jedoch vage: Der Prozess zur Beobachtung und Überwachung muss klar definiert werden."

MCC-Generalsekretärin Brigitte Knopf rät der Bundesregierung dazu, den Kohleausstieg zu beschleunigen, „anstatt ihn zu verlangsamen“. Sie sagt: „Wenn Berlin den neuen Weltklimavertrag ernst nimmt, muss Deutschland zeigen, dass es seine selbst gesteckten Klimaschutzziele für 2020 auch erreicht.“ Ein wichtiger Schritt wäre dafür laut Knopf ein Mindestpreis für die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) im europäischen Emissionshandel.

Die Energieexpertin betont, der Ausstoß von CO2 müsse endlich einen angemessenen Preis bekommen. Die Vereinten Nationen seien dazu aber nicht in der Lage. „Daher sollten die G20, die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, dieses Ziel angehen“,sagte Knopf. Damit könnten gleichzeitig die nachhaltigen Entwicklungsziele finanziert und der Klimaschutz gewährleistet werden, wie die Forschungen am MCC belegten.

Zugleich gebe es Anlass zur Hoffnung, dass weitere Milliardeninvestitionen in erneuerbare Energien das Ruder noch in Richtung Klimaschutz herumreißen könnten, sagte die Wissenschaftlerin und verwies auf Vorstöße von Frankreich und Indien sowie von den US-Unternehmern Bill Gates und Mark Zuckerberg.