Gemeinsame Forschungsinitiative von UNEP und MCC (2013–2017)

Zur Zukunft globaler Umweltgutachten (FOGEAM)

Nach dem Pariser Klimaabkommen sowie dem Beschluss und der beginnenden Umsetzung der globalen Entwicklungsziele (SDGs) mit all ihren Synergien und Zielkonflikten steigt der Bedarf in internationalen Umweltdebatten, sich vermehrt mit spezifischen Lösungspotionen zu beschäftigen statt bloß mit der Analyse von Umweltproblemen. Um politikrelevant, glaubwürdig und gleichzeitig legitim zu bleiben, müssen sich globale Umweltgutachten (GEAs) daher achtsam an die sich schnell ändernde politische Landschaft anpassen. Das Forschungsprojekt “The Future of Global Environmental Assessment Making”, welches 2013 gemeinsam vom UN Umweltprogramm (UNEP) und dem MCC initiiert wurde, brachte neue Erkenntnisse zum möglichen Nutzen und den Implikationen von verstärkt lösungsorientierten GEAs.

Die Veröffentlichung des GEO-5 (Fünftes Global Environment Outlook Gutachten) im Jahr 2012 bot die Gelegenheit, inne zu halten und über die Erfahrungen mit vergangenen, großskaligen globalen Umweltgutachten Bilanz zu ziehen. Beispielsweise Erfahrungen mit dem fünften IPCC Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe III, dem Weltargrarbericht IAASTD, dem Millenium Ecosystem Assessment (MA) sowie den Plänen für die Schaffung des Weltbiodiversitätsrates IPBES. In diesem Zusammenhang rief das MCC gemeinsam mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) eine Forschungsinitiative namens „The Future of Global Environmental Assessment Making“ (FOGEAM, 2013–2017) ins Leben, die sich mit der Zukunft globaler Umweltgutachten auseinandersetzt und von der Arbeitsgruppe Wissenschaftliche Assessments, Ethik und Politik (SEP) des MCC vorangetrieben wurde.

Ziel der Forschungsbemühungen im Rahmen der FOGEAM Initiative war es, aus den vergangenen globalen Umweltgutachten für die Zukunft zu lernen und die gewonnenen Erkenntnisse bei der strategischen Konzeption und Erstellung zukünftiger Gutachten durch Politik, Wissenschaft und andere Interessensgruppen zu berücksichtigen. Mit dem FOGEAM Projekt sollte ein umfassenderes Verständnis der Entwicklung globaler Umweltgutachten erlangt werden und wie sich ihr Verhältnis zur Politik innerhalb der letzten Jahre verschoben hat. Das Projekt erforschte die Wechselwirkungen zwischen den Zielen, Mitteln (Verfahrensweisen, Methodologien, Ressourcen, etc.) und praktischen Konsequenzen globaler Umweltberichte, z.B. hinsichtlich ihres Einflusses auf politische Diskurse. FOGEAM untersuchte die größten Hindernisse und Kompromisse, die innerhalb dieser komplexen und umfangreichen Lernprozesse zu Tage traten. Vor dem Hintergrund des steigenden Bedarfs an lösungsorientierten Gutachten, die die Umsetzung der vielfältigen, in den letzten Jahrzehnten auf nationaler und globaler Ebene formulierten Umweltziele unterstützen können, rückte FOGEAM insbesondere die Förderung prozeduraler und methodologischer Ansätze für die Durchführung und Integration lösungsorientierter Politikgutachten in den Mittelpunkt.

 

Die wichtigsten Produkte:

  • Sonderausgabe des Journals Environmental Science and Policy

    • Basierend auf dem FOGEAM-Projekt diskutiert diese Sonderausgabe (Nov. 2017) Nutzen und Implikationen von verstärkter Lösungsorientierung in GEAs. Die Artikelsammlung beinhaltet Forschung über die gemeinsame Entwicklung von Umweltgutachten und ihrer zunehmend lösungsorientierten politischen Kontexte; Erfolgsfaktoren gegenwärtiger Begutachtungsprozesse; den Umgang mit unterschiedlichen Weltbildern, Standpunkten und Interessensvertretungen in lösungsorientierten GEAs; systematisches Anhäufung von Wissen; sowie die Evaluation der politisch-gesellschaftlichen Wirksamkeit von Umweltgutachten in der gegenwärtig entstehenden politische Landschaft. Diese Arbeit hatte unter anderem merklichen Einfluss auf einen Bericht von UN Environment zur Stärkung der wissenschaftlichen Politikberatung („Strengthening the Science-Policy Interface: A gap analysis”, 2017). Die Einleitung zur Sonderausgabe ist frei zugänglich.

  • Hochrangiger Syntheseartikel in Nature Climate Change

  • Bericht für die Politik, für UNEP 2014 erstellt

    • Sowohl der vorläufige FOGEAM-Report (als Arbeitspapier), als auch ein kurzes Hintergrundpapier (Kurzdossier) wurden für ein UN-Plenum im Rahmen des GEO-6 (Intergovernmental and Multi-stakeholder Consultation on the Sixth UNEP Global Environment Outlook, Berlin, Okt. 2014) erstellt.

  • Drei Sachverständigen-Workshops mit Expertinnen und Experten aus Praxis, Forschung und anderen Bereichen, um Austausch und systematische Reflexion zu gegenwärtigen GEAs zu ermöglichen.

    • Ein erster Workshop wurde im Aug. 2013 in Nairobi zusammen mit UNEPs Assessment-Einheit (UNEP-DEWA) organisiert.
    • Ein zweiter, zweitägiger Workshop fand Okt. 2013 in Berlin statt. Zusammen mit Autorinnen und Autoren des GEO-5-Berichts wurden Erfahrungen mit und Lektionen aus vergangenen GEAs (insb. GEO-5) identifiziert und diskutiert.
    • Schließlich fand vom 30. Sep. – 01. Okt. 2015 in Berlin ein hochrangiger Workshop statt zu den Herausforderungen und Möglichkeiten lösungsorientierter Gutachten von Umweltpolitikoptionen (Programm und Teilnehmende hier).

  • Artikel zu Zielen von Stakeholder-Beteiligungsprozessen in GEAs

    • Basierend auf dem FOGEAM-Interviewmaterial analysierte dieser Artikel die Vielfalt der Zielsetzungen für die Einbeziehung verschiedener Interessensgruppen in GEA-Prozessen.

  • Präsentation der Projektergebnisse bei verschiedenen Veranstaltungen

    • …z. B.: bei der International Conference on Public Policy (ICPP) in Mailand, Juli 2015 (C. Flachsland und M. Kowarsch organisierten dort einen Panel); beim World Science Forum in Budapest, Nov. 2015 (bei einer Nebenveranstaltung organisiert von INGSA); beim Online-Seminar („Webinar) organisiert von der Intergrated Assessment Society (TIAS) im Juni 2017; und beim Dritten Deutschen „Future Earth“-Gipfel in Berlin, Feb. 2018.

 

Hauptmethoden und Beteiligte:

  • Das FOGEAM-Projekt ging über die – ebenfalls verwendete – kritische STS-Methodik hinaus, um auch eine konstruktive, praktisch informative Perspektive in den Diskurs über die alternativen Gestaltungsmöglichkeiten von Umweltgutachten einzubringen.

  • Das FOGEAM-Projekt untersuchte GEAs mittels Fallstudien und empirischen Untersuchungen vergangener GEAs, als auch mittels innovativer theoretischer und konzeptioneller Beiträge – dabei stets aufbauend auf die vorhandene Literatur zum Thema in den diversen Forschungsdisziplinen.

  • Die empirischen Analysen basierten vornehmlich auf Folgendem: (1) ca. 100 teilstrukturierte Interviews mit Sachverständigen (55 min. Durchschnittsdauer; Anonymität der Interviewten wurde gesichert). Sämtliche Interviews wurden mit vorheriger Genehmigung der Teilnehmenden aufgezeichnet und transkribiert und mithilfe der Datenanalysesoftware MAX QDA kodiert und analysiert; (2) GEAs und deren Hintergrund- sowie Unterstützungsdokumente, einschließlich der Berichte zur Erläuterung der Sachlage, Besprechungsberichte, unabhängigen Beurteilungen, offiziellen Dokumente der Vereinten Nationen, Regierungsberichte und Presseartikeln; (3) unsere Literaturstudien; (4) zahlreiche informelle Gespräche und Diskussionen, unter anderem mit Mitgliedern der technischen Unterstützungseinheit des IPCC AR5 WGIII in der Nähe von Berlin, mehreren anderen IPCC-Autorinnen und -Autoren des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und des MCC, mit erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik sowie aus der internationalen Umweltpolitik; und (5) die persönlichen Erfahrungen von Mitgliedern des FOGEAM-Projekt-Teams mit diversen globalen Umweltgutachten. Ein Teammitglied (Jabbour) wirkte im Produktionsteam des GEO-5 mit, während ein weiteres Teammitglied (Flachsland) als Co-Autor für den IPCC AR5 WGIII fungierte.

  • Das Projektteam bestand im Kern aus Dr. Martin Kowarsch (Projektleiter, MCC), Dr. Christian Flachsland (Projectmanager, MCC), Jason Jabbour (Projectmanager, UNEP), Jennifer Garard (Doktorandin, MCC und TU Berlin) und Pauline Riousset (Doktorandin, MCC and FU Berlin).

 

Kontaktinformationen:

Für weitere Information und Dokumentwünsche wenden Sie sich bitte an Dr. Martin Kowarsch.

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