MCC rät “Sieben Weisen” der EU zu Assessments

Der MCC-Arbeitsgruppenleiter Kowarsch rät auf einer Konferenz in Brüssel der EU-Kommission dazu, wie sie die wissenschaftliche Politikberatung im „Scientific Advice Mechanism“ stärken könnte.

Foto: Shutterstock / Ugis Riba

28.09.2016

Martin Kowarsch, Leiter der Arbeitsgruppe Wissenschaftliche Assessments, Ethik und Politik am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), ist Mitorganisator der hochrangigen Fachkonferenz  „Science and Policy Making: towards a new dialogue“. Sie wird am 29. und 30. September von der Europäischen Kommission und dem International Network for Government Science Advice (INGSA) in Brüssel ausgerichtet.

Ziel der Konferenz ist es, zunächst die Grundprinzipien und bewährte Verfahren der wissenschaftlichen Politikberatung für die Regierungen weltweit aufzuzeigen. In der Folge wollen die teilnehmenden Wissenschaftler und hochrangigen politischen Entscheider diskutieren, wie die Nachfrage und das Angebot stärker miteinander vernetzt werden können und an praktischen Beispielen die unterschiedliche Wirksamkeit von Politikberatungsprozessen verdeutlichen.

Die EU-Kommission will sich künftig von einem „Scientific Advice Mechanism“ (SAM) genannten Gremium beraten lassen, das im Kern aus sieben Wissenschaftlern besteht und Unterstützung von wissenschaftlichen Institutionen wie den Nationalakademien bekommt. Kowarsch zufolge sollte dieses Gremium jedoch bei komplexen, längerfristigen politischen Fragestellungen – wie der Euro-Krise, dem Klimawandel oder der Ernährungssicherheit – auf umfassendere wissenschaftliche Assessmentprozesse zurückgreifen, die sowohl unterschiedliche Lösungswege als auch deren diverse praktische Konsequenzen für die Gesellschaft analysieren können.

„Speziell die europäische Energie- und Klimapolitik hat fundamentale und langfristige Auswirkungen auf die Gesellschaft, die sorgfältig mitbedacht werden müssen“, sagt Kowarsch. Beispielsweise könne eine EU-Politik mit einem großen Bio-Energie-Anteil Auswirkungen auf Nahrungsmittelpreise, Entwaldung und Bodenrenten weit über Europa hinaus haben. Ebenso könnte eine effektive CO2-Bepreisung als Nebeneffekt einer effizienteren Wirtschaft und der Luftqualität zugutekommen. „Die europäische Politik muss besser über die unmittelbaren Auswirkungen, Hürden, Nebeneffekte und Synergien der möglichen Alternativen informiert werden. Die disziplinär organisierte Standard-Wissenschaft kann dies nicht leisten.“ Wissenschaftliche Assessments hingegen, die diese Alternativen und Auswirkungen aufzeigen und den Weltklimaberichten des IPCC vergleichbar wären, könnten das „Fleisch an den Knochen“ für den SAM der EU sein.

 

Hier können Sie noch mehr über die Konferenz erfahren.

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