CO2-Preis-Koalitionen sogar für „egoistische“ Länder von Vorteil

Eine neue Studie mit MCC-Beteiligung zeigt, dass sich die Teilnahme an CO2-Preissystemen auch für Länder lohnt, die eher egoistisch handeln – wenn Klimapioniere vorangehen.

Foto: Shutterstock / Zooner GmbH

28.02.2018

Selbst Länder, die eher zu egoistischem Verhalten neigen, haben auf lange Sicht einen Anreiz, sich an internationaler Klima-Kooperation zu beteiligen und CO2-Preissystemen beizutreten. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen, spieltheoretischen Studie des Mercator Research Institute on Global Commons und Climate Change (MCC) und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Allerdings lohnt sich das für die Länder erst, wenn zuvor „Pionier-Koalitionen“ erste Schritte bei der CO2-Bepreisung unternommen haben. Die neue Studie, die im renommierten Fachmagazin „Nature Climate Change“ veröffentlicht wurde, gibt erneut Hinweise darauf, dass die Bildung von Klimaschutz-Koalitionen tatsächlich sinnvoll ist.

Wenn Klimapioniere vorangehen, genießen die egoistischen Länder zunächst die Vorteile des vermiedenen Klimawandels, ohne dafür zu bezahlen. Auf längere Sicht haben sie jedoch einen Anreiz, es den Pionieren gleichzutun und an deren bereits etablierten CO2-Preissystemen anzuknüpfen. Die Bildung zunehmend größerer Koalitionen bringt weiteren Nutzen durch die zusätzliche Vermeidung von Klimawandel-Schäden. Dieser Nutzen kann, auch wenn er zunächst ungleich über die Koalitionsländer verteilt ist, über Finanztransfers ausgeglichen werden. Das macht den Beitritt auch für egoistische Länder attraktiv.

„Klimaschutz ist ein öffentliches Gut – und deshalb so schwer durchzusetzen“, sagt Leitautor Jobst Heitzig vom PIK. „Die Versuchung des Freifahrerverhaltens – also von den Bemühungen anderer zu profitieren, ohne selbst etwas zu tun – musste oft als Erklärung dafür herhalten, dass Länder eher abgeneigt seien, sich Klimaschutz-Koalitionen anschließen. Unsere numerischen Experimente zeigen nun aber, dass dies nur ein vorübergehender Effekt sein könnte. Die Vorteile der Zusammenarbeit könnten letztlich überwiegen und globalen Klimaschutz attraktiv machen.“ Die Studie verwendet erstmals ein spieltheoretisches Modell, das sowohl dynamisch ist als auch einen gewissen Grad an Weitsicht der Spieler voraussetzt. „Das scheint eine mutige Annahme zu sein, aber wir denken, dass viele Politiker in der Tat versuchen, langfristige Entwicklungen in ihre Entscheidungen einzubeziehen.“

„Länder, die gemeinsam vorangehen und CO2-Preis-Koalitionen bilden, sind dagegen keine mutige Annahme – diese Entwicklung ist bereits im Gange“, sagt Ulrike Kornek vom MCC. „Im Rahmen der Europäischen Union hat Frankreich zuletzt eine Diskussion über die Einführung eines gemeinsamen CO2-Mindestpreises gleichgesinnter europäischer Länder angestoßen, zu denen dann – hoffentlich – auch Deutschland gehört. Das wird zum Beispiel von China genau beobachtet, das derzeit ein eigenes Emissionshandelssystem aufbaut. In Nordamerika hat Kalifornien – immerhin die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt – bereits einen Mindestpreis eingeführt und beschlossen, seine Klimapolitik mit Ontario und Quebec zu verknüpfen. Das Mindestpreis-Modell breitet sich aus – der schrittweise Anstieg der CO2-Preise wäre der nächste Schritt, um die Temperaturziele des Paris-Abkommens zu erreichen.“

 

Weitere Informationen:

Jobst Heitzig, Ulrike Kornek (2018): Bottom-up linking of carbon markets under farsighted cap coordination and reversibility. Nature Climate Change. DOI: 10.1038/s41558-018-0079-z

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