Klimapolitik & Kapital: MCC-Experten geben Sonderteil in renommiertem Journal heraus

Analysen zur Entwertung fossiler Vermögenswerte – und zur Gegenwehr der Eigentümer. Edenhofer: „Wertverluste nicht per se schlecht fürs allgemeine Wohlergehen.“

Beispiel Ölförderanlage: Fossile Investments werden durch CO2-Bepreisung tendenziell unrentabel. | Foto: Shutterstock/Bratslavsky

25.02.2020

Was Klimaschutz für die Besitzer fossiler Rohstoffe und Produktionsanlagen bedeutet und wie sie darauf reagieren: Das ist bislang wenig erforscht. Die renommierte wirtschaftswissenschaftliche Fachzeitschrift Journal of Environmental Economics and Management schließt jetzt mit einem Sonderteil in ihrer März-Ausgabe ein Stück weit die Lücke. Herausgeber des Sonderteils sind neben dem Kieler Umweltökonomen Till Requate drei Wissenschaftler des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change): dessen Direktor Ottmar Edenhofer sowie die beiden Arbeitsgruppenleiter Matthias Kalkuhl und Jan Steckel.

Der Sonderteil enthält sechs Studien; eine davon, die online bereits 2019 erschienen ist, haben die drei MCC-Experten selbst angefertigt, mehr dazu hier. Die Studien untersuchen, wovon fossile Investitionen abhängen und wie sie durch eine CO2-Bepreisung unrentabel werden, also zu „stranded assets“ (englisch für gestrandete Vermögenswerte). Dabei kommt auch die politische Ökonomie ins Spiel: Wie kalkulieren Investoren eine zunehmend ambitionierte Klimapolitik von vornherein mit ein? Wie verändert es die Gemengelage, wenn die betroffenen Industrien politischen Widerstand organisieren? Inwieweit ändert die Politik daraufhin ihren Kurs, und was ist am Ende das neue Gleichgewicht?

In einem neuen, einführenden Artikel fassen die Herausgeber den Sonderteil zusammen und nennen Gründe für stranded assets: Entweder halten die Investoren die Klimapolitik für unglaubwürdig und ignorieren sie. Oder sie sind überrascht, weil Klimapolitik vom angekündigten Pfad abweicht. Oder sie setzen trotz Klimapolitik bewusst auf emissionsintensive Technologien, weil saubere Alternativen im Moment der Investitionsentscheidung zu teuer sind und anfängliche Gewinne spätere Verluste ausgleichen. „Wertverluste bei fossilen Investitionen sind nicht per se schlecht für die Volkswirtschaft und das allgemeine Wohlergehen“, betont MCC-Direktor Edenhofer. „Eine ideale CO2-Bepreisung korrigiert ja den Wert von Investitionen genau um den Gegenwert der sozialen Kosten.“ Problematische Folgen gebe es erst in Kombination mit Politik- oder Marktversagen: etwa wenn der Staat seine Einnahmen maximiert oder wenn sinkende Pensionsfonds-Anteile oder auch Immobilienpreise die kleinen Leute treffen.

Durch eine grundlegende Entscheidung könnte das Problem der gestrandeten Vermögenswerte allerdings entschärft werden, erklärt MCC-Gruppenleiter Jan Steckel: „Laut den Analysen unseres Sonderteils führt es zu deutlich besseren Wohlfahrtsergebnissen, wenn die Klimapolitik von vorneherein glaubwürdig ist. So könnte die laufende Umsetzung, etwa Anpassungen beim Zeitpfad der CO2-Bepreisung, an eine von der Regierung unabhängige Institution ausgelagert werden. Wie das in der Praxis am besten funktionieren könnte, ist ein wichtiges Feld für die weitere Forschung in diesem Bereich.“

Weitere Informationen:
Der Zugang zur März-Ausgabe des Journals findet sich hier.
Einführender Artikel: Edenhofer, O., Kalkuhl, M., Requate, T., Steckel, J., 2020, How assets get stranded: the impact of climate policy on capital and fossil fuel owners. Introduction to the JEEM special section on climate policy and political economy, Journal of Environmental Economics and Management
https://doi.org/10.1016/j.jeem.2020.102300

Abonnieren Sie den MCC-Newsletter.