Der Fluch der Landwirtschaft

Laut einer neuen MCC-Studie ist die geografische Lage eine fundamentale Grundlage für Wachstum: Vorteile für die Agrarwirtschaft verlangsamen demnach langfristig die Entwicklung.

Foto: Shutterstock / DnDavis

26.08.2015

Geografische Vorteile für die Landwirtschaftsproduktion verzögern den Beginn der Industrialisierung und den demografischen Wandel eines Landes. Zudem verlangsamen sie im Arbeitssektor den Übergang zu einer Struktur mit überwiegend gut ausgebildeten Fachkräften. Hat eine Wirtschaft zunächst jedoch weniger gute Voraussetzungen für die Landwirtschaft, wird sie Laufe ihres Entwicklungsprozesses die Regionen mit geografischen Vorteilen überholen.

Dies sind einige der Kernergebnisse der neuen Studie “From agriculture to manufacturing: How does geography matter”. Nguyen Thang Dao, Wissenschaftler am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change hat sie jetzt im Fachmagazin “Cliometrica” veröffentlicht.

Der Artikel betont, dass quer über die Gesellschaften weltweit hinweg deren geografische Lage eine fundamentale Grundlage für Wachstum ist. Demnach ist zwar bei einem entsprechend geringen Technologielevel nur die Landwirtschaftsproduktion möglich. Doch langfristig gesehen ist eine starke wirtschaftliche Leistungskraft eher jenen Staaten vorbehalten, die zunächst weniger gute Voraussetzungen für die Agrarwirtschaft haben.

Erstmals nutzt die Studie die geografischen Vorteile für die Agrarwirtschaft in einem Wachstumsmodell, um so historische Fakten mit Theorie zu unterfüttern. So war zum Beispiel China bis etwa zum 14. Jahrhundert in seiner wirtschaftlichen Leistungskraft Europa voraus. Gleichwohl wurde China überholt und die Industrialisierung begann schließlich in Europa früher. Um den geografischen Faktor dabei jedoch isoliert betrachten zu können, musste die Studie andere endogene und exogene Faktoren außer Acht lassen. Diese können den Entwicklungsprozess ebenfalls erheblich beeinflusst haben – und beispielsweise auch die derzeitige Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent beeinflussen.

 

Die Studie im Original:

Nguyen Thang Dao (2015): From agriculture to manufacturing: How does geography matter? Cliometrica.

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