Klimawandel und Armut gleichzeitig bekämpfen

Papst Franziskus fordert die Anerkennung der Atmosphäre als globales Gemeingut. Das MCC zeigt in "Nature Climate Change", was das für Klimaschutz und Armutsbekämpfung hieße.

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24.09.2015

Um die nachhaltigen Entwicklungsziele Klimaschutz und den Kampf gegen die Armut gleichermaßen gewährleisten zu können, sollte die Atmosphäre als globales Gemeinschaftsgut anerkannt werden. „Wenn der Klimawandel so gemildert werden soll, dass die Armen vor seinen Auswirkungen geschützt werden, müssen die von Menschen verursachten Emissionen begrenzt werden“, schreibt ein Autorenteam um Ottmar Edenhofer, Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in der neuen Ausgabe des Fachmagazins Nature Climate Change.

Dabei beziehen sie sich auf die jüngste Enzyklika des Papstes „Laudato si“. Franziskus hat darin Armut, nachhaltiges Wirtschaften und den Klimaschutz zu zentralen Themen gemacht. Er spricht am Freitag vor der UN-Vollversammlung, die die nachhaltigen Entwicklungsziele verabschieden will. In seiner Enzyklika hat der Papst die Weltgemeinschaft dazu aufgerufen, die Atmosphäre als „gemeinschaftliches Gut von allen und für alle“ anzuerkennen.

Edenhofer und die Co-Autoren Christian Flachsland und Brigitte Knopf betonen in ihrer Analyse, dass das Zwei-Grad-Ziel nur dann mit hoher Wahrscheinlichkeit noch zu erreichen sei, wenn die große Mehrheit der fossilen Reserven im Boden bleibt. Und sie geben einen Ausblick: „Ökonomische Analysen haben gezeigt, dass die Begrenzung der Atmosphäre als CO2-Deponie einschneidende Folgen für die globale Verteilung des Reichtums hätten“, heißt es in dem Artikel. „Dies würde das Vermögen der Besitzer von fossilen Reserven entwerten.“ Die Idee, dass reichere Gesellschaften mehr zu den Klimaschutzkosten beitragen müssten, sei eine, die „einige Regierungen natürlich nicht gerne unterstützen, die die Enzyklika des Papstes aber sehr prominent auf den Tisch legt“.

Am Freitag wollen die Staats- und Regierungschefs auf einem UN-Gipfel in New York, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnimmt, die „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ verabschieden. Der Katalog mit 17 sogenannten Nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals - SDGs) soll die Milleniums-Entwicklungsziele fortführen. Der gleichzeitige Kampf für den Klimaschutz und gegen die Armut ist in dem Dokument zentral.

„Die Entwicklungsziele dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden – sie bedingen sich vielmehr gegenseitig“, sagt MCC-Generalsekretärin Brigitte Knopf. „Nur durch die Begrenzung des Klimawandels ist ein Kampf gegen die Armut in den Schwellen- und Entwicklungsländern überhaupt möglich.“ Dies gelte auch mit Blick auf die UN-Weltklimakonferenz Ende des Jahres in Paris.

Um die Anerkennung der Atmosphäre als globales Gemeinschaftsgut in praktische Politik umzusetzen, schlägt das MCC eine Bepreisung von CO2 vor, entweder durch ein funktionierendes Emissionshandelssystem oder durch eine Steuer. Die Einnahmen wären eine effiziente Finanzierungsquelle für Infrastrukturmaßnahmen wie etwa Wasserversorgung, Elektrifizierung oder den Zugang zu Sanitäranlagen. Christian Flachsland, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Governance betont: „Die CO2-Bepreisung muss so ausgestaltet werden, dass sie die Armen nicht weiter belastet, sondern im Gegenteil Ihre Handlungschancen erweitert.“

Weitere Informationen:

Edenhofer, Ottmar; Flachsland, Christian; Knopf, Brigitte (2015): Science and religion in dialogue over the global commons. Nature Climate Change. Vol 5. DOI: 10.1038/nclimate2798.