MCC unterstützt das Monitoring zum Erreichen der deutschen Klimaschutzziele

Brigitte Knopf erläutert in der Bundespressekonferenz den Bericht des Expertenrats für Klimafragen. Ein MCC-Papier unterstützt dessen Urteil zum Verkehrssektor.

Weit über 1.000 Zuhörerinnen und Zuhörer: Aus dem Haus der Bundespressekonferenz übertrug „Phoenix“ via Youtube und Twitter. | Foto: Phoenix

15.04.2021

Der im September 2020 von der Bundesregierung berufene unabhängige Expertenrat für Klimafragen hat seinen ersten Bericht vorgelegt und an Bundesumweltministerin Svenja Schulze übergeben. Darin prüft und bewertet er die im März vom Umweltbundesamt veröffentlichte Vorjahresschätzung der deutschen Treibhausgas-Emissionen – und füllt damit erstmalig seine Rolle in dem Monitoring- Mechanismus aus, mit dem das Klimaschutzgesetz das Erreichen der Emissionsziele absichert. Stellvertretende Vorsitzende des fünfköpfigen Gremiums ist Brigitte Knopf, die Generalsekretärin des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change).

Gemeinsam mit Hans-Martin Henning, dem Vorsitzenden des Expertenrats und Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg, präsentierte Knopf den Bericht heute in der Bundespressekonferenz. Kernstück ist die Prüfung der komplexen Methodik der Vorjahresschätzung: Es fand sich kein Anhaltspunkt, dass die Behörde andere Zahlen hätte ausweisen müssen. Mit Blick auf die Sondereffekte 2020, insbesondere Corona, ordnet der Bericht die Emissionsdaten in den einzelnen Sektoren in einer breiteren Analyse ein. Demnach hätte bei Fortsetzung vorheriger Trends nicht der Gebäude-, sondern der Verkehrssektor als einziger die im Klimaschutzgesetz definierte Latte gerissen. In Szenarien beleuchtet der Expertenrat auch mögliche Folgen der jüngsten Anschärfung des EU-Emissionsziels für 2030, dessen Umsetzung noch unklar ist, auf die deutschen Sektorziele. Mit Blick auf das dynamische Umfeld und Schätzungenauigkeiten regt das Gremium auch eine Weiterentwicklung des Gesetzes an: Nach bestimmten Kriterien sollte das zuständige Ministerium für einen Sektor auch dann ein Sofortprogramm vorlegen müssen, wenn dort das Limit eingehalten wurde.

„Als Expertenrat stehen wir im Mechanismus des Klimaschutzgesetzes zwischen dem Umweltbundesamt als Datenlieferanten und der Politik als Entscheider“, erklärt MCC-Generalsekretärin Knopf. „Wir haben jetzt sozusagen die Kasse geprüft, und sie stimmt. Und um im Bild zu bleiben: Wir nehmen darüber hinaus auch die spezielle Ausgaben-Lage im Jahr 2020 in den Blick sowie die Ausgaben, die in nächster Zeit anstehen, und liefern der für die Kasse verantwortlichen Bundesregierung damit Orientierung.“

Zur Unterstützung des von Knopf mitverfassten 140-seitigen Berichts hat das MCC einen weiteren separaten Beitrag geliefert: In einem Arbeitspapier, auf das sich der Expertenrat in seiner Analyse zum Emissionsgeschehen im Verkehrssektor unter anderem stützt, wird der durch die Folgen der Corona-Pandemie bedingte Mobilitätsrückgang auf Basis realer Aktivitätsraten beziffert. Das liefert dem Expertenrat, neben der statistischen Methode der Trendfortschreibung, eine zusätzliche Abschätzung für die hypothetischen Emissionen im Verkehrssektor ohne die Lockdown-Effekte. Als Basis verwendet das MCC-Forschungsteam anonymisierte GPS-Fahrzeugdaten, Mobilfunkdaten und weitere empirische Erhebungen. Insgesamt gab es demnach im Jahr 2020 Lockdown-bedingt eine Reduktion der Verkehrsemissionen um 15,2 Millionen Tonnen CO2. Das heißt, dass der Verkehrssektor sein Ziel ohne Corona um etwa 10 Millionen Tonnen CO2 verfehlt hätte.

 

Per Videoschalte: die Übergabe des Berichts an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (rechts oben), mit ihrem Unterabteilungsleiter Berthold Goeke (unten links) sowie Hans-Martin Henning (unten rechts) und Brigitte Knopf vom Expertenrat für Klimafragen. | Foto: MCC

 

Weiterführende Informationen:

  • Der Bericht des Expertenrats für Klimafragen findet sich hier.
  • Die Pressemitteilung des Expertenrats für Klimafragen findet sich hier.
  • Das MCC-Arbeitspapier „Emissionen im Verkehrssektor in Deutschland in 2020 – Effekt von Covid-19“ findet sich hier.
  • Die Pressekonferenz auf Youtube findet sich hier.
  • Ein Twitter-Thread von Brigitte Knopf mit Kernaussagen und Grafiken findet sich hier.
  • Ein Interview von „Zeit online“ mit Brigitte Knopf findet sich hier.