MCC-Experten federführend im Sechsten Sachstandsbericht des Weltklimarats

Nach sieben Jahren nimmt die nächste große Standortbestimmung des IPCC zur Klimapolitik Gestalt an. Zwei Gruppenleiter unseres Instituts koordinieren Kapitel zu wichtigen Themen.

Ein Symbol der Klimakrise: Die Kleinstadt Werchojansk in Sibirien hält mit 38 Grad Celsius den Hitzerekord für die Region nördlich des Polarkreises. | Foto: Shutterstock/StereoLights

03.01.2022

Nach zweieinhalb Jahren Vorarbeit kommt der Weltklimarat IPCC jetzt in die Schlusskurve mit einer umfangreichen Expertise zur Klimapolitik: Ab nächste Woche durchläuft der ungefähr 1000 Seiten starke Bericht „Minderung des Klimawandels“ die übliche Begutachtung durch Regierungen und Fachleute, Ende März soll er dann verabschiedet und damit auch publiziert werden. Federführend beteiligt sind zwei Arbeitsgruppenleiter des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change). Von den Autorinnen und Autoren der „Summary for Policymakers“, welche die Regierungen über die Kernpunkte des Berichts informiert, stammen gleich vier vom MCC.

Der Bericht ist eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für die weiteren internationalen Klimaschutz-Verhandlungen und für die im Weltklimaabkommen von Paris verabredete regelmäßige Bewertung des Fortschritts beim globalen Kampf gegen die Erderhitzung. Formal gesehen ist es der dritte Teil des sogenannten Sechsten IPCC-Sachstandsberichts (AR6, für Assessment Report). Teil eins zu den physikalischen Grundlagen der Klimakrise erschien im August 2021, Teil zwei zu Klimafolgen und Anpassung kommt im Februar 2022.

Als ein Koordinierender Leitautor ist Jan Minx, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Angewandte Nachhaltigkeitsforschung, federführend für das Kapitel zu Trend und Treibern der Treibhausgas-Emissionen. Hier geht es um ein präzises Abbild der Ausgangslage für die künftige Klimapolitik, synthetisiert aus den relevanten Datenquellen, Metastudien und auch modellgestützten Forschungsarbeiten – denn das Thema ist komplex, von den 197 Unterzeichnerstaaten des Paris-Abkommens hat der Großteil bis heute keine vollständige Statistik zu den nationalen Emissionsquellen und -mengen.

Ebenfalls als ein Koordinierender Leitautor ist Felix Creutzig, Leiter der Arbeitsgruppe Landnutzung, Infrastruktur und Transport, federführend für das Kapitel über Nachfrage, Dienstleistungen und soziale Aspekte des Klimaschutzes. Dieses Kapitel ist jetzt zum ersten Mal in einem IPCC-Sachstandsbericht enthalten. Es beleuchtet die Konsequenzen daraus, dass das Angebot an erneuerbarer Energie und energieeffizienter Produktion nur die eine Seite beim Klimaschutz ist: Die Politik muss auch die Seite der Energie-Nachfrage adressieren, also das individuelle Mobilitäts- und Energienutzungsverhalten.

Als Unterstützung für Minx und Creutzig nominierte der IPCC am MCC auch zwei „Chapter Scientists“ für den Bericht: den Wissenschaftler William Lamb sowie die Wissenschaftlerin Leila Niamir, welche jetzt zu Jahresbeginn zum Internationalen Institut für angewandte Systemanalysen (IIASA) nach Laxenburg bei Wien gewechselt ist. Bereits in den vergangenen Jahren durfte das MCC im Weltklimarat wichtige wissenschaftliche Beiträge leisten. Sein Direktor Ottmar Edenhofer war bei den Arbeiten für den vorigen, 2014/15 veröffentlichten Fünften Sachstandsbericht (AR5) ein Co-Vorsitzender; Gruppenleiterin Sabine Fuss wirkte im AR6-Zyklus als Leitautorin an dem 2018 veröffentlichten Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel mit.

 

Weitere Informationen:

  • Beispiele für im Kontext des IPCC-Berichts relevante MCC-Forschung zu historischen Treibhausgasemissionen finden sich hier (Bestandsaufnahme aller Gase), hier (Klimaschutz-Vorreiter), hier (Trends und Treiber) und hier (Cluster der nationalen Klimapolitik).
  • Beispiele für im Kontext des IPCC-Berichts relevante MCC-Forschung zu nachfrageseitigen Klimalösungen finden sich hier (Klimaschutz und Wohlergehen), hier (individueller CO2-Fußabdruck) und hier (Statuskonsum).